Theater Pforzheim 2013/14
WA 11. Oktober 2014
Regie _ Kai Huesgen
Ausstattung _ Verena Hemmerlein
Fotos _ Sabine Haymann















Pressestimmen
that’s musical.de
Montag, 30. Juni 2014
(…) Derzeit heißt es am Stadttheater Pforzheim: „Come on the amazing Journey“. Und fantastisch von der ersten bis zur letzten Minute ist Kai Hüsgens rasante Inszenierung der zugleich schrillen und beklemmenden Geschichte um einen schwer traumatisierten Jungen. (…)
Der Einstieg in das schillernd-schockierende Geschehen wirkt durch die unfassbar schnellen Szenenwechsel wie eine Diashow mit Überblendtechnik: (…) die meisterhafte Verbindung von Lichteffekten (Andreas Rinkes) und Videoprojektionen (Tai Zheng) lässt ein ungewöhnlich intensives Bilderlebnis entstehen (…). Immer wieder erzeugen Licht- und Videoregie einen Perspektivenwechsel, der die Dynamik noch verstärkt. Mal sieht sich der Zuschauer als Teil der Menge, die dem flippernden Tommy zujubelt, mal schreitet er gleichsam als Teil des „Pinball Wizard “ in eine überdimensionale Projektion eines Flipperautomaten.
Für Bühne und Kostüme zeichnet Verena Hemmerlein verantwortlich. Eine riesige, runde Lichtschiene mit Querstreben, die bei Bedarf herabgelassen wird und abwechselnd blau, rot, gelb und grün leuchtet, ein paar Wohnzimmermöbel, eine Drehscheibe, auf der Tommy von der Acid Queen verführt und so, wie seine Eltern hoffen, geheilt werden soll, und natürlich der Spiegel, in dem Tommy den Mord beobachtet und den seine Mutter in ihrer Hilflosigkeit später zertrümmert: Mehr Ausstattung braucht es nicht. Die fast leere Bühne wird durch den abgedeckten Orchestergraben vergrößert und gibt dem im Look der Teenager der 1960er Jahre gekleideten Ensemble viel Raum, die Choreographien von Tu Ngoc Hoang umzusetzen. Die hysterisch kreischenden Fans vor einem grellbunten Graffiti bei Tommys Flippershows wirken dabei genauso real, wie die erschreckenden Gewaltszenen, die – ebenso wie die Facebook- und Twitter-Einspielungen eine gut eingebaute Anbindung an die heutige Zeit – mit Handykameras gefilmt werden.
„Tommy“ verbindet zeitlos gute Rockmusik mit inhaltlichem Anspruch und prangert Missstände an, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Die hervorragende Leistung des Kreativteams und die überzeugende Cast machen die Pforzheimer Inszenierung zu einem must-see.
musicals – Das Musicalmagazin
Freitag, 1. August 2014
(…) Lange war die 1992 uraufgeführte Bühnenadaption von 1969 nicht mehr in Deutschland zu sehen, jetzt vereint das Pforzheimer Theater die 60-jährigen Who-Fans von damals mit den 16-Jährigen von heute zu einem erstaunlichen, gemeinsam rockenden und jubelnden Publikum. Ohne aufwendige Ausstattung, stringent und zügig setzt Kais Hüsgen die Geschichte des traumatisierten kleinen Jungen in Szene, der in seinem Elternhaus einen Mord beobachtet und sich dann taub, blind und stumm in sich selbst zurückzieht. (…)
Die vielen Schauplätze der anfangs rasant erzählten Geschichte werden mit sparsamen, schnell erscheinenden Kulissenteilen oder wenigen Möbeln illustriert. Genau wie Verena Hemmerleins relativ karge Bühne dienen auch ihre einfachen, bei Figuren wie der Acid Queen dann wieder völlig überdrehten Kostüme dazu, den äußeren Handlungsrahmen der Geschichte klar zu bebildern.
Badische Neuste Nachrichten
Dienstag, 10. Juni 2014
Mit frenetischem Jubel endete im Stadttheater Pforzheim die Premiere des Musicals „The Who’s Tommy“. Verständlich: Die Songs sind bekannt und eingängig, die Inszenierung von Kai Hüsgen war temporeich und bot variantenreiche Zerstreuung. (…)
Eine besondere Erwähnung verdient der hervorragende Schauspieler und Sänger Eric Minsk, dessen „Uncle Ernie“ von überwältigender Boshaftigkeit war. Eine Figur, die dem bunten und comichaft skizzierten Bühnenbild von Verena Hemmerlein so konsequent entspringen musste, wie ein Springteufel seiner Box. (…)
Pforzheimer Zeitung
Dienstag, 10. Juni 2014
Traumatisiert, sexuell missbraucht und verprügelt: Die Geschichte von Tommy Walker in „The Who‘s Tommy“ ist kein leichter Stoff für ein Musical. (…)
Die Kultband „The Who“ feierte Riesenerfolge mit ihrem Konzeptalbum „Tommy“ von 1969. Es war ihre erste Rockoper, die 1975 verfilmt und 1993 als Musical uraufgeführt wurde. Die Premiere von Pete Townshends und Des Mc-Anuffs „The Who‘s Tommy“ am Theater Pforzheim ist geprägt von starken Momenten, die das Publikum am Ende von den Stühlen reißt. (…)
Regisseur Kai Hüsgen hat die Geschichte scheinbar unserer Schnelllebigkeit angepasst, mit modernen Medien wie Facebook und Smartphones, mit denen etwa die Prügelszene gefilmt wird. Dazu kommen eindrucksvolle Videos (Tai Zheng) und moderne, an den 1960er-Jahren orientierte Kostüme (Verena Hemmerlein). (…)
Die Bühne (Hemmerlein) ist – der temporeichen Inszenierung folgend – mobil ausgestattet: mal leer, mal mit rollbaren Betten, grellen Flippern oder Graffitiwand.
Phänomenal ist der Auftritt von Lilian Huynen als Acid Queen in aufreizendem Outfit und wild toupierter Mähne: Wie aus der Hölle entsteigt sie einem Loch im Boden und rockt im nebligen Rotlichtmilieu. (…)
musicalzentrale.de
Montag, 7. Juli 2014
Kai Hüsgen findet für seine Inszenierung eine gute Balance zwischen der Realität des Stücks und Tommys Traumwelten. Letztere geben vor allem dank ästhetisch ansprechender Videoprojektionen (Tai Zheng von der Hochschule Pforzheim) und des sehr stimmungsvoll eingesetzten Lichts (Andreas Rinkes) ein eindrucksvolles Gesamtbild ab. Oft schafft es Hüsgen, dass sich der Zuschauer selbst auf einem LSD-Trip wähnt. (…)
Bühne und Video verschmelzen in der Pforzheimer Inszenierung zu einer Einheit, was eine angenehme Abwechslung zu dem Trend ist, dass Videoprojektionen die Funktion des Bühnenbilds übernehmen. (…)