Ballett von Goyo Montero
Staatstheater Nürnberg 2010/11
Bühne _ Verena Hemmerlein, Goyo Montero
Kostüme _ Angelo Alberto, Goyo Montero



Fotos _Jesus Vallinas, Verena Hemmerlein


Pressestimme

Carmen – Staatstheater Nürnberg

Nürnberger Zeitung –  13.12.2010   Thomas  Heinold

Der riesige, die Opernbühne (Verena Hemmerlein) an allen Seiten bis in den hohen Schnürboden auskleidende Vorhang spendiert der andalusischen Über-Frau viele, sehr viele Rüschen. Es wirkt, als sei der gesamte Raum von einem riesigen Flamenco-Rock umhüllt – ein Bild, das gerade in seiner Übertreibung beeindruckt und zugleich den zwiespältigen Charakter dieser „Carmen“ umfängt. Denn Montero wechselt in den 17 Szenen seines Balletts stets sprunghaft zwischen intimer Psychologisierung und folkloristischen Tableaus, zwischen schwelgerischer Andalusien-Romantik und schroffer emotionaler Dramatik. (…)

Der gerüschte Riesen-Rock gibt ein nüchternes Podest mit zwei Rampen frei, die die Bühne zur Arena machen, zur schiefen Ebene und Schicksals-Rutschbahn. (…)

Wie in Prosper Mérimées Novelle, sozusagen die Mutter aller Carmen, erzählt Montero die Geschichte aus dessen Perspektive – und verwirrt diese mit einer Vervierfachung der Hauptfrau: Sophie Antoine, Sayaka Kado und Jaione Zabala fächern die Figur zur tänzerisch variantenreichen Trinität auf, während Esther Jurado wie eine schwarzgewandete Schicksalsgöttin die von Montero so genannte „Ur-Carmen“ gibt. Mit Flamenco und Kastagnetten symbolisiert sie die unwiderstehliche Verführerin.

Don José, den Max Zachrisson mit Empfindsamkeit und Verletzlichkeit andeutender Körpersprache tanzt, ringt hier mit seinem Schicksal, das immer unausweichlicher Carmen heißt und ihn in die soziale Isolation drängt. (…)  Schwarze lemurenartige Gestalten umringen Don José in diesen Momenten und geben der Figur in ihrer existenziellen Einsamkeit geschärfte Konturen. (…)  das ist vielleicht das Beste an Monteros  „Carmen“, die vom Publikum heftig bejubelt wurde: Sie bleibt widersprüchlich, disparat und ist nie ganz zu fassen. Wie ein echter Mythos eben.