Symphonie Chorégraphique von Rosamund Gilmore und Susan Oswell nach Albert Camus
Theater Trier Spielzeit 2015/16
Inszenierung und Choreographie_ Rosamund Gilmore
Bühne und Kostüme_ Verena Hemmerlein


Fotos _ Prof. Dieter Leistner, Vincenzo Laera


Pressestimme

OPERNNETZ    1.11.2015

Stefanie Braun

Von einem, der den Platz im Leben nicht findet

(…) Gilmores‘ Sprache ist einfach, aber klar. Schnörkellos, dafür akzentuiert. Der Anfang ist bedrückend, die Bühne ist halbdunkel, es herrscht Sonnenaufgangsstimmung. Ein Mann im weißen Anzug sitzt  auf einem Tisch, gebannt starrt er ins Dunkel vor sich, um ihn herum ein Stuhlkreis Unter jeden Stuhl liegt ein Mensch in schwarzer Unterwäsche. Die Musik schafft Schrecksekunden, kein schönes Erwachen. Zur ebenso lyrischen, wie beklemmenden Musik von Oswell winden sie sich in ihre schwarzen Anzüge und unter ihren Stühlen hervor, stecken die Köpfe in schwarze Hüte.

Verena Hemmerleins spärlich eingesetzte Ausstattung unterstützt die akzentuierte Arbeitsweise von Gilmore. Die Stühle sind keine Sitzmöglichkeiten, sie sind im übertragenen Sinne der „Platz im Leben“, die gesellschaftliche Ordnung, mit der man ringt, bis man Platz auf ihr angenommen hat. Da ist es nur eine logische Schlussfolgerung, dass Gilmore aus ihnen die Gefängnismauern baut, in denen Meursault auf seine Hinrichtung wartet.  Gilmores Choreographie ist eine Choreographie der kleinen Gesten, die erst in Zusammenspiel und Masse den gewünschten Effekt haben. Im Einklang mit Oswells Musik entsteht ein Konstrukt wie aus einem Guss.

Die neuen Tänzer des Theaters Trier geben mit dieser Produktion ihren Einstand. Ziv Frenkel (…) verleiht dem Protagonisten eine fast hypnotische Aura, gleichzeitig wirkt er selbst wie hypnotisisert von den Vorgängen um ihn herum. Er bleibt reglos und beobachtet, versetzt so das Gesehene in den Mittelpunkt, ohne selbst als Zentrum der Inszenierung zurückzutreten. Seine Kollegen verschmelzen mal zur verkörperten Gesellschaft im schwarzen Anzug, mal zur lebendigen Masse klar unterscheidbarer Individuen.

Der musikalische Leiter, Wouter Padberg, versteht es, der Musik Oswells Leben einzuhauchen. Das Orchster (…) schwingt sich auf die Stimmung ein, ohne Höhepunkte zu verlieren oder zu überzeichnen. Ein starker Partner für die Choreographie.

Das Publikum reagiert wohlwollend mit lang anhaltendem Applaus.