Oper von W.A. Mozart
Hochschule für Musik Würzburg 2022
Regie _ Katharina Thoma
Bühne und Kostüme _ Verena Hemmerlein
Fotos _ Andreas Herold



































Pressestimmen
O-Ton Kulturmagazin – 18.11.2022 – Renate Freyeisen
Weiblicher Triumph
Was für ein Spaß bei Mozarts Opera buffa Le nozze di Figaro! Starke Frauen setzen sich durch gegen Männer, die sich aus verschiedenen Motiven zu viel herausnehmen. (…)
Im Würzburger Theater in der Bibrastraße nun begeistern die Studenten der Opernschule der Würzburger Hochschule für Musik mit ansteckender Spielfreude und hervorragender stimmlicher Gestaltung. Das liegt zum einen an der geschickten, in jeder Bewegung auf die Musik reagierenden Inszenierung und der überzeugenden Charakterzeichnung durch Regisseurin Katharina Thoma. Sie kürzt sinnvoll, etwa in der Verkleidungsszene, lässt die deutschen Übertitel „moderner“ übersetzen, zum anderen können sich in der Ausstattung durch Verena Hemmerlein die Agierenden einfach wohlfühlen, mit ihren Rollen identifizieren. Die Handlung geschieht im Heute, und die jeweiligen Räume werden nur angedeutet durch Türen, Fenster oder Samthänger im letzten Akt, im Garten, der mit grüner Beleuchtung eine geheimnisvolle Stimmung erhält, während blaues Licht vorher auf Unsicherheit oder Befürchtungen hinweist. Alles beginnt in einem leeren Raum: Figaro, der das Zimmer einrichten will, schleppt Karton und Matratze herein, und als die Tüte mit Schrauben platzt, fallen diese herunter; er zählt sie ab, eine vergesene Schraube verhindert eine zärtliche Szene der beiden auf der Matratze – beide sind im Ikea-Zeitalter angekommen. (…)
In dieser Inszenierung geht es Schlag auf Schlag mit vielen witzigen Momenten, etwa mit neugieringen Beobachtern über der Suffite oder hinter dem Blumentopf in der nächtlichen Gartenszene. Zur Erheiterung trägt auch oft das Äußere bei, so wenn Marcellina mit Hütchen auf blonder Dauerwelle und im engen, knallbunt gemusterten Sommerkleid hereinschwebt, wenn Musiklehrer Don Basilio als rockiger Gitarrenspieler in Goldglanzjache und in Leder auftritt, wenn die Brautjungfern in Glitzerlook erscheinen; auch der Chor als bunt gemischter Haufen junger Leute beorzugt wohl Trash, allen voran Barbarina. Der Graf, anfangs im samtblauen Morgenmantel, später in silbergrauem Anzug wirkt etwas durchschnittlich, während seine Frau Rosina sich vorteilhaft abhebt von der Masse durch ihr unaufdringlich elegantes Äußeres mit Cape und weiten Hosen Die heutige praktische Kleidung unterstreicht im Vergleich zu der des 18. Jahrhunderts das Persönliche, fördert ein unbeschwertes Agieren auf der Bühne.
Erstaunlich gut gerät auch die musikalische Seite: Das Projektorchester unter Leitung von Andreas Hotz spielt flott, mit rundem warmem, wohligem Klang, wozu auch die Naturoboen beitragen, eilt nie zu sehr, deckt die Sänger nie zu, betont so Mozarts Oper als allgemein menschliches Seelendrama mit fast „romantischen“ Zügen und lebendigen Rezitativen bei inneren Verwicklungen. Auch wenn Jakob Ebert als Figaro in seiner jugendlich männlichen Erscheinung, seiner natürlichen Art der Bewegung und seiner schönen, tragenden, starken Stimme,
sängerische Höhepunkte liefert, die eigentliche Hauptrolle hat die quirlige Susanna; sie besitzt Verstand und Herz, steht alle Akte hindurch auf der Bühne: Rebecca Suta brilliert mit ihrem klaren, höhensicheren, facettenreichen Sopran. (…)
Abgerundet wird die Aufführung durch die Huldigungs-Chöre mit ihrem ausgewogenen Klang.
Nach dem glücklichen Schluss will das bis auf den letzten Platz gefüllte Haus gar nicht mit seinen Beifallsbekundungen aufhören.
Main-Post – 21.11.2022 – Mathias Wiedemann
Wunderbare Stimmen an der Opernschule
Manchmal ist es einfach schön, wenn ein Stück nicht gegen den Strich gebürstet wird. Wenn, wie in diesem Fall, die Regisseurin ihre Deutung ganz der Logik der Figuren unterstellt. Und der Magie der Musik, die ohnehin jede Regung kommentiert.
Katharina Thoma, Leiterin der Opernschule der Hochschule für Musik Würzburg, bringt Mozarts „Le Nozze di Figaro“ mit Studierenden als entspannte Verwechslungskomödie auf die Bühne des Theaters in der Bibrastraße. Behutsam legt sie Emotionen und Motivationen ihrer Figuren frei. (…) Die fabelhaften Sängerinnen und Sänger setzen das vollkommen natürlich um.
Das reduzierte Bühnenbild mit Vintage-Anmutung
Thoma streut außerdem jede Menge witziger Details ein. So verkündet Figaro zu Beginn nicht die Zollstock-Messwerte des Raums („Cinque… dieci… venti… trenta“), sondern zählt die Schrauben des Selbstzuammenbau-Ehebetts eines möglicherweise schwedischen Anbieters. Verena Hemmerlein (auch Kostüme) hat ein reduziertes Bühnenbild mit Vintage-Anmutung geschaffen – freistehende Türen oder hängende Fenster erinnern witzingerweise an die Operndekors aus der Frühzeit des Fernsehens. (…)
Mehr als Staffage sind außerdem die Nebenrollen. (…) Frische Tempi gibt Andreas Hotz am Pult des Hochschulorchesters vor. (…) Eine rundum gelungene Produktion, die jedem regulären Spielplan zur Zierde gereichen würde. Langer, begeisterter Beifall.