Theater Augsburg 2014/15, 2015/16 – Gwangzu City Ballet Korea 2016/17
Ballett zur Musik von S. Prokofjew
Choreographie _ Young Soon Hue
Ausstattung _ Verena Hemmerlein
Fotos _ Nik Schölzel / Gwangzu City Ballet
Publikumspreis für beste Produktion 2014/15



Fotos _ Nik Schölzel /  Gwangzu City Ballet


Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung  03.12.2014      

Verona ist überall

Überragend: Young Soon Hue choreografiert „Romeo & Julia“ für das Augsburger Ballett

Augsburg – Das Ballett „Romeo und Julia“ in Augsburg ist ein Paradebeispiel für die künstlerische Symbiose dreier Frauen. Carolin Nordmeyers Dirigat, Verena Hemmerleins Ausstattung und nicht zuletzt Young Soon Hues Choreografie bilden ein harmonisches Ganzes, das im Gegensatz auch zu weltberühmten Choreografien wie etwa John Crankos quirlig-bunter, hochdramatischer und dramaturgisch bis ins Detail durchdachter Version keine Längen kennt und sich, restlos abgespreckt, auf das Liebespaar und dessen tragisches Schicksal konzentriert.

Die Marktszenen – geschenkt. Bei einer kleinen Kompanie wie der Augsburger heißt es, Massenszenen sinnvoll zu modifizieren. Die verfeindeten Capulets und Montagues treffen also in einem Billard-Club aufeinander. Ihren ersten Kampf fechten sie folgerichtig als eine freie Variante des Kendo mit der Billard-Queue aus, lässige Jungs in Straßenhosen und losen Hemden, von Mädchen in luftigen Kleidern begleitet. Verona, suggeriert bereits die flamboyante Eingangsszene, ist überall da, wo es verfeindete Gangs gibt. (…)

Young Soon Hue denkt in „Romeo und Julia“ den Bogen vom elisabethanischen Drama zur „West Side Story“ mit und verlässt sich dabei auf die Zeitlosigkeit der  danse d’ecole. Die Koreanerin wurde in Monte Carlo ausgebildet und stand als Solistin in Frankfurt, Zürich, Basel und Berlin (…) auf der Bühne. Als inzwischen weltweit tätige Choreografin ist sie keine radikale Neuerin. Aber sie hat ein Händchen dafür, das Ballettvokabular dem Inhalt entsprechend mit sportiver, sehr energetischer Bodenarbeit oder aber auch lyrisch und hochexpressiv in der weichfließenden Gestik zu durchsetzen. Sie kultiviert den ständigen Bewegungsfluss und erweist sich als ökonomische Dramaturgin. (…)  

Verena Hemmerlein schafft dafür viel Platz. Wie schon beim Augsburger Ballettabend „Heroes“ sorgt sie dank variabler Bühnenelemente – in diesem Fall hoch aufragender Häuserfassaden und wechselnder Lichtstimmungen für flinke (atmosphärische) Verwandlungen. (…)

Prokofiews Ballett bleibt alles in allem integral erhalten. Carolin Nordmeyer arbeitet mit den Augsburger Philharmonikern glasklar die musikalishen Strukturen heraus, spart sich Sentimentalisches und setzt auf die Macht der Belchbläser. Wobei  ihr die direkte Akustik des Hauses hilft. So fühlt sich Ballettglück an. Ovationen.              

Eva-Elisabeth Fischer


Opernnetz 30.11.2014

Liebe, selbst durch den Tod nicht bezwungen

(…)

Im Theater Augsburg erzählt nun die Choreografin Young Soon Hue aus Südkorea diese Geschichte vom Liebepaar, das ganz radikal seine starke innere Beziehung lebt, an den äußeren Umständen aber scheitert, in optisch ungeheuer fesselnden, packenden Bildern. (…)

Weil ein solches Geschehen eigentlich nicht auf einen bestimmten Ort festgelegt ist, verlegt die Choreografin Hue die Handlung nicht nach Verona, sondern lässt sie in einem zeitlos gültigen Raum stattfinden. Ihre Ausstatterin Verena Hemmerlein spielt dabei bei den Freizeitszenen durch Billardtisch oder Bistrostühle zwar auf Heutiges an, betont aber ansonsten durch Weniges den Charakter der Schauplätze. So kommt der Ballsaal bei den Capulets mit Lüster, hoher Treppe, Spiegelwänden und strenger Pilaster-Architektur aus; die Kirche, in der Pater Lorenzo die Liebenden traut, ist ebenfalls ein schlichter, hoher Raum mit schmalem, dreigliedrigem Fenster, durch das Licht von hinten eine weihevolle Atmosphäre schafft. Wenn es um gesellschaftliche Repräsentation geht, überwiegt eher Düsteres. Dagegen ist Julias Schlafzimmer mit dem Bett, den großen Fenstern und Vorhängen hell, vor allem am sonnigen Morgen, auch bei der Balkonszene. Das Licht, das Kai Luczak immer wieder wirkungsvoll einsetzt, erzielt so wechselnde Stimmungen. Auch die Gruft am tragischen Ende, ein sanft erleuchteter Bogen über einem schwarzen Treppenpodest, bietet einen starken Kontrast zur scheintoten, aufgebahrten Julia, an der der Trauerzug langsam vorbei schreitet, um rote Rosen als letzte Liebesgabe der angeblich Verstorbenen zu widmen. Auch die Kostüme von Hemmerlein unterstreichen das allzeit Gültige. Die Partei der Montagues ist durch blaue Akzente markiert, die der Capulets, also der Clan der Julia, durch rote. Oft wird die Zugehörigkeit dazu nur unter schwarzen Gewändern angedeutet. Schwarz ist eigentlich die dominierende Farbe. Nur Julia trägt Weiß, die Farbe der Unschuld, ebenso wie Romeo und sein übermütiger Freund Mercutio weiße Hemden. Tybalt, der gewalttätige Rambo der Partei der Capulets, wirkt in seinem rötlich schimmernden Anzug ein wenig diabolisch. Mutter und Vater Capulet sind äußerst förmlich in Schwarz gekleidet, beim Ball glitzernd elegant. Was bei den Damen auffällt, sind die natürlich fallenden Gewänder; diese ermöglichen fließende Bewegungen, unterstreichen noch die Drehungen und Sprünge. Die hervorragend geschulte Augsburger Ballettkompanie tanzt, unterstützt von einigen wenigen Gästen, in einer am klassischen Stil angelehnten Mischung bemerkenswert synchron, in erstaunlicher körperlicher Präzision und Spannung bei den häufigen Drehungen und hohen Sprüngen sowie kleinen akrobatischen Einlagen, beherrscht auch das bisweilen rasante Tempo mühelos. Durch die kluge Raumaufteilung und den Wechsel zwischen spielerischer Leichtigkeit und Geschwindigkeit im Auftreten der jungen Leute und der zeremoniellen, eher langsamen Förmlichkeit bei den Arrivierten werden optisch abwechslungsreiche Akzente gesetzt. (..)

Kein Wunder, dass das Premierenpublikum im ausverkauften Haus alle Mitwirkenden lange restlos begeistert feiert; dieses Ballett wird sich wohl zu einem „Renner“ entwickeln.

Renate Freyeisen


DAZ – Die Augsburger Zeitung, 16.12.2014  

Romeo und Julia

Halrun Reinholz                                                                 

Spagat zwischen Shakespeare und West Side Story

Abendfüllende „Ballettgeschichten“ sind beim Publikum beliebt, in einem kleinen Ensemble wie in Augsburg jedoch nur sehr eingeschränkt möglich. (…)   Die koreanische Ballettmeisterin schafft es dennoch, dem Geschehen nach Shakespeare ihren eigenen tänzerischen Stempel aufzudrücken – unverkennbar ihr schon bei der Carmina aufgefallener Stil.

Dreigestirn kreativer Frauen

Die bei Shakespeare mittelalterliche Geschichte zweier verfeindeter Familien aus Verona wird aus der Zeit herausgehoben, ohne in ein aufdringliches Heute abzugleiten. (…)  Entsprechend zeitlos sind auch die schlicht und elegant wirkenden Kostüme von Verena Hemmerlein. Sie ist auch für das luftige, unprätentiöse und durch seine Lichteffekte verblüffend wirkungsvolle Bühnenbild verantwortlich. (…) Neben Choreografie und Ausstattung ist auch die musikalische Leitung in den Händen einer Frau, der temperamentvollen hauseigenen Kapellmeisterin Carolin Nordmeyer. 

Kongeniales Zusammenspiel der Tänzer

Die Ovationen des Publikums galten aber vor allem dem Ensemble, das in dieser Konstellation alle Register seines Könnens ziehen kann. (…) Was sich dem Zuschauer vermittelt, ist, bei aller Ernsthaftigkeit und Präzision, der Eindruck einer fast ungehemmten Spielfreude, deren Funke ins Publikum überspringt. So bleibt das Ballett Romeo und Julia sicher auch noch weiterhin Stadtgespräch in dieser Spielzeit. 

Augsburger Allgemeine Zeitung

Romeo und Julia: Das Drama der Liebe

Prokofjews Ballett ist am Theater Augsburg in einer emotional begeisternden Choreografie zu erleben. Zumal sich Neuzugänge als Bereicherung des Ensembles herausstellen.

(…)

Faszinierend gelingen auch die Ensembletänze, etwa der berühmte „Tanz der Ritter“, dessen wuchtige Klänge die Choreografin in ein imposantes und strenges Bewegungsszenario verwandelt. Oder die Gruppenszenen mit den verfeindeten Jugendlichen, die in ihrer Ästhetik und Dynamik stark an die „West Side Story“ erinnern. Komik und Dramatik, Spiel und blutiger Ernst kommen hier zum Ausdruck.

Bühnenbildnerin Verena Hemmerlein, die auch die verhalten modernen Kostüme entworfen hat, baut dafür hohe Räume mit vielen Möglichkeiten zur Verwandlung: einen Billardsalon, die Straße, den Ballsaal, die Kirche, Julias Schlafzimmer. In diesem kathedralenartigen Bühnenbild machen die Augsburger Tänzer mit ihrer spürbaren Tanz- und Spielfreude „Romeo und Julia“ zum Ereignis.

Die Prognose, dass „Romeo und Julia“ dem Augsburger Ballett Reputation und dem Theater ein volles Haus bescheren wird, ist daher bestimmt nicht gewagt. Umso mehr, als hier die Mischung stimmt: Ein klassisches Handlungsballett mit einer Musik, die hohen Wiedererkennungswert hat, gemäßigt modern und mit Schwung, Komik und hoher Spannung inszeniert, das kommt an. Mit begeistertem Beifall feierte das Publikum alle Beteiligten.

(…)

Birgit Müller-Bardorff